Ich bin schon länger (und unbekannterweise) heimlich verliebt in @mspro – heute hab ich mitbekommen, dass er jetzt für die FAZ bloggen darf und dort einen ersten Artikel geschrieben hat, der mir in besonderem Maße aus der Seele spricht. Diesen Dienstag war Safer Internet Day und ich war auf einer Fachtagung der bayerischen Landeszentrale für neue Medien zum Lieblingsthema der Medienpädagogik: Sind unsere Jugendlichen (die “digital natives” – *würg* ich dachte ich krieg n bluescreen, selbst “medienaffine Erwachsene” zeigen eine inflationäre Verwendung eines nicht belegten Phänomens) angesichts ihrer Freizügigkeit im Netz noch zu retten?
Meine Antwort: Solange wir kurzsichtig nur an Kids denken und ihre zukünftigen, googelnden Arbeitgeber als die einzige Bedrohung wahrnehmen, werden wir an der Problemlage vorbeidiskutieren. Erste richtige Ansätze, auch und vor allem mit Eltern (und damit Erwachsenen) zu arbeiten finden zwar statt, doch die Masse hat immernoch kein Bewusstsein, welche Dynamik die Technisierung, die Vernetzung der vorhandenen Daten und die Sammelei von neuen Daten entwickeln wird. Bestes Beispiel: Meine Mutter versteht nach wie vor nicht, was an ihren Payback- und den anderen “Rabatt”Karten schlecht sein soll – dass ihr Einkaufsverhalten durchleuchtet wird, ist ihr egal, sie habe nix zu verbergen. Hier liegt meiner Ansicht nach der Hase im Pfeffer: Gibt es nichts mehr zu verbergen, dann gibt es keine Privatsphäre mehr.
Von genau diesem [ctrl]-Verlust (ey, danke für dieses großartige cvK Wortspiel!) und warum er sich möglicherweise lohnt erzählt mspro. Ich teile in hohem Maß die Ansicht, dass wir das dicke Ende des ganzen noch gar nicht abschätzen können. Genau deswegen denke ich auch, dass solche Fachtagungen, selbst wenn sie keine bahnbrechenden Neuerungen und Lösungen zu Tage fördern, wichtig sind, um das Thema im Bewusstsein zu halten. In der Mittagspause hab ich noch zu einer Freundin, die ich von der Tagung in Remscheid kenne (dazu mein Post: You have been rickrolled…oder das Ende der #Privatheit), gesagt, dass ich mich langweile, weil für mich gebetsmühlenartig eine Förderung von Medienkompetenz und Sensibilisierung für die Gefahren als Heilsbringer postuliert wurden. Bei der anschließenden Zigarette kriege ich doch aber tatsächlich mit, wie andere Teilnehmer der Tagung hochdankbar für die Hilfestellungen (sei es tonnenweise Broschürenmaterial oder das Offline Server Game) sind.
Die Podiumsdiskussion (die ich leider aufgrund meines Anschlusstermins nicht bis zum Ende verfolgen konnte) beschäftigt sich neben Datenschutz auch mit dem Thema Jugendschutz. Die eigentlich hochaktuelle Debatte zur geplanten Änderung des Jugendmedienschutzstaatsvertrag wird aber mit keiner Silbe erwähnt – für mich ein klares Indiz dafür, dass eine Vernetzung von klugen Akteueren und Professionals noch nicht weit genug geht.
Der Safer Internet Day will Menschen für einen sicheren Umgang mit dem Internet sensibilisieren, ihnen zeigen und beibringen auf ihre Rechte und informationelle Unversehrheit zu achten. Doch pädagogische Maßnahmen reichen einigen nicht – Gesetze müssten her. Gesetze, die möglicherweise das Prinzip und damit den Erfolg des Internets zu untergraben drohen. Werden sie verabschiedet, so brauchen wir vielleicht eher einen Save the Internet Day – als Gedenktag unserer digitalen Freiheit, die wir uns zunehmend selbst absprechen.
Dez 22, 2010 @ 04:32:07
http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?HansGertGraebe/SeminarWissen#SeminarWissenindermodernenGesellschaftimWintersemester201011
[Anmerkung der Autorin des Blogs: dieser Link wurde kommentarlos hier hinterlassen und führt zu einem SemniarWiki das sich mit irgendwie verwandten Themen beschäft. Der direkte Zusammenhang zu meinem Artikel erschließt sich mir nicht, aber von mir aus....]
Feb 24, 2011 @ 23:14:26